Ihre OEE stagniert bei 60%? Erfahren Sie, wie Produktionssysteme, Lean und TPM Ihre Effizienz nachhaltig steigern. Jetzt lesen!
Unternehmen investieren in neue Maschinen, optimieren Taktzeiten und schulen Bediener:innen. Trotzdem stagniert die OEE bei 55 bis 65 Prozent. Der Grund liegt selten an der einzelnen Anlage. Er liegt im System dahinter.
Ein Produktionssystem beschreibt das ganzheitliche Zusammenspiel von Prozessen, Ressourcen, Methoden und Regeln, die ein Unternehmen benötigt, um Produkte effizient herzustellen. Bekannte Systeme basieren häufig auf Lean Production und orientieren sich an den LEAN-SixSigma-Methoden. Das bekannteste Beispiel ist das Toyota Produktionssystem (TPS).
Wer seine Produktion nachhaltig verbessern will, muss dieses System als Ganzes betrachten. Nicht die einzelne Stellschraube entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Es ist die Art, wie alle Elemente ineinandergreifen.
Nicht das Thema nachdem Sie suchen? Navigieren Sie durch die verschiedenen Fachbeiträge der Serie CAQ x LEAN Production The LEAN Way!
Warum Produktionssysteme scheitern
Die Ziele eines modernen Produktionssystems sind klar: kurze Durchlaufzeiten, geringe Bestände, hohe Flexibilität, hohe Qualität und eine wirtschaftliche Kostenstruktur. Die zentrale Messgröße, die all diese Faktoren zusammenführt, ist die OEE (Overall Equipment Effectiveness).
OEE setzt sich aus drei Faktoren zusammen:
Verfügbarkeit: Wie viel Zeit die Anlage tatsächlich produziert hat, also die geplante Produktionszeit abzüglich aller Stillstände.
Leistung: Wie schnell die Anlage produziert hat, gemessen als tatsächliche Geschwindigkeit im Verhältnis zur Soll-Geschwindigkeit.
Qualität: Wie viele Gutteile produziert wurden, also unter Berücksichtigung der Ausschussquote.
Die vereinfachte Formel lautet: OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität.

Ein OEE-Wert von 85 Prozent gilt als Weltklasse. In der Praxis erreichen viele Unternehmen jedoch deutlich weniger. Die Ursachen dafür lassen sich in drei zentrale Herausforderungen gliedern.
Die drei größten Herausforderungen
Warum bleibt die OEE hinter ihrem Potenzial zurück? Drei strukturelle Problemfelder prägen den Alltag in der Produktion.
Produktionssysteme funktionieren nur dann effektiv, wenn Prozesse konstant, wiederholbar und im Sinne der Prozessfähigkeit (Cpk) laufen. In der Realität führen unterschiedliche Arbeitsweisen zwischen Schichten und Teams, fehlende oder veraltete Standards (SOPs), hohe Variantenvielfalt und schwankende Qualität von Rohmaterial und Zukaufteilen zu Störungen, Ausschuss und unzuverlässigen Durchlaufzeiten. Die Anlagenverfügbarkeit wird unplanbar.
Ein Produktionssystem lebt von reibungslosen Flüssen. Fehlendes oder falsches Material, verspätete Bereitstellung, unklare Auftragsinformationen und zu hohe Bestände, die eigentliche Probleme überdecken, führen zu Stillständen, Suchzeiten und Überproduktion. Auch ungünstige Werkslayouts verstärken diesen Effekt. Die Folge: unnötige Bestandskosten und verlorene Produktionszeit.
Ein modernes Produktionssystem benötigt geschulte Mitarbeiter:innen, stabile Anlagenverfügbarkeiten und verlässliche Lieferant:innen in der gesamten Wertschöpfungskette. Zu wenig qualifizierte Fachkräfte, Know-how, das an einzelnen Personen hängt, überalterte Maschinenparks und erhöhte Komplexität durch Produktvarianten erzeugen ungewollte Abhängigkeiten, Qualitätsschwankungen und eingeschränkte Reaktionsfähigkeit.
Drei Lösungsansätze für Produktionssysteme im Sinne OPEX
Wer die OEE systematisch steigern will, muss an den richtigen Hebeln ansetzen. Die folgenden drei Ansätze bilden das Fundament eines leistungsfähigen Produktionssystems.

1. Lean Production: Eliminierung von Verschwendung
Das Ziel ist klar: Effizienzsteigerung durch konsequente Wertstromfokussierung. Der Kern von Lean Production liegt in der systematischen Identifikation und Eliminierung von Verschwendung. Das Toyota Produktionssystem definiert sieben Arten der Verschwendung (japanisch: MUDA), die in jedem Produktionssystem auftreten.

Neben MUDA adressiert Lean Production zwei weitere Verlustquellen: MURA (Ungleichmäßigkeit), also Schwankungen in Prozessen, Auslastung und Nachfrage, sowie MURI (Überlastung) von Mitarbeiter:innen und Anlagen.
Die relevanten Methoden zur Eliminierung dieser Verluste umfassen das Wertstromdesign inklusive Standardisierung und Durchlaufzeitreduktion, Pull- und Kanban-Steuerung statt Push-Prinzipien, 5S und Visualisierung für mehr Transparenz am Arbeitsplatz sowie die Etablierung einer Kaizen-Kultur, in der kontinuierliche Verbesserung fest im Tagesgeschäft verankert ist.
2. Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz
Das Ziel: Prozessstabilität und Entscheidungsqualität steigern. Die Methoden reichen dabei von klassischer Automatisierung bis hin zu datengetriebenen Ansätzen mit Machine Learning und Künstlicher Intelligenz.
Echtzeit-Transparenz durch IoT-Sensorik liefert die Datenbasis für weiterführende Analysen. Manufacturing Execution Systeme (MES) inklusive Maschinenanbindung schaffen die notwendige Infrastruktur, um Produktionsdaten durchgängig zu erfassen und auszuwerten. Predictive Maintenance nutzt Machine-Learning-Modelle, um aus historischen Maschinendaten Ausfallmuster zu erkennen und ungeplante Stillstände zu eliminieren, bevor sie eintreten.
Automatisierte Qualitätskontrolle durch Vision AI ermöglicht eine Inline-Prüfung in Echtzeit: KI-gestützte Bildverarbeitungssysteme erkennen Oberflächenfehler, Maßabweichungen und Montagefehler mit einer Zuverlässigkeit, die manuelle Sichtprüfungen deutlich übertrifft. RAG-Ansätze (Retrieval-Augmented Generation) unterstützen Mitarbeiter:innen dabei, auf Basis bestehender Dokumentationen und Prozessdaten fundierte Entscheidungen zu treffen und manuelle Abweichungen zu reduzieren.
Darüber hinaus ermöglichen Machine-Learning-Algorithmen die Optimierung von Prozessparametern auf Basis großer Datenmengen. Wo klassische SPC-Regelkarten Abweichungen erst erkennen, wenn sie auftreten, identifizieren ML-Modelle Trends und Muster bereits im Vorfeld. Das Ergebnis: proaktive Prozesssteuerung statt reaktiver Fehlerbehebung.

3. TPM und Prozessstabilisierung (Zero-Loss-Philosophie)
Das Ziel: maximale Robustheit der Anlagen und stabile, reproduzierbare Prozesse. Total Productive Maintenance (TPM) verfolgt die Vision von null Verlusten: null ungeplante Stillstände, null Qualitätsverluste, null Geschwindigkeitseinbußen.
TPM basiert auf zwei tragenden Säulen:
Operator Care (Autonome Instandhaltung): Die Anlagenbediener:innen übernehmen Verantwortung für den Grundzustand ihrer Maschinen. Dazu gehören Reinigung, Inspektion, Schmierung und das frühzeitige Erkennen von Anomalien. Durch standardisierte Checklisten und Schulungen werden Bediener:innen befähigt, Abweichungen zu erkennen, bevor sie zu Ausfällen führen. Der Effekt: Die Maschine wird nicht nur bedient, sondern gepflegt.
Maintenance Excellence (Geplante Instandhaltung): Die Instandhaltungsabteilung entwickelt sich vom reaktiven „Feuerwehr-Löscher“ zur strategischen Funktion. Wartungsintervalle werden datenbasiert geplant, Ersatzteile systematisch bevorratet und Wartungsstrategien kontinuierlich auf Basis von Ausfallanalysen optimiert. Ziel ist die vollständige Eliminierung ungeplanter Stillstände.
Auf dieser Basis setzt die systematische OEE-Verlustanalyse an. Jeder Verlust wird kategorisiert: Ist es ein Verfügbarkeitsverlust (Stillstand, Rüsten), ein Leistungsverlust (Kurzstillstände, reduzierte Geschwindigkeit) oder ein Qualitätsverlust (Ausschuss, Anlaufverluste)? Durch diese strukturierte Analyse werden die größten Hebel sichtbar und priorisierbar.
SMED (Single-Minute Exchange of Die) adressiert gezielt die Rüstzeitverluste als einen der größten Verfügbarkeitskiller. Durch die konsequente Trennung von internem Rüsten (Maschine steht) und externem Rüsten (Maschine läuft) sowie die Parallelisierung und Vereinfachung von Rüstschritten lassen sich Rüstzeiten in vielen Fällen um 50 Prozent und mehr reduzieren. Dieser Aspekt wird in Beitrag 2 dieser Serie im Detail behandelt.
Ergänzend dazu zielt die Cp/Cpk-Optimierung auf die Steigerung der Prozessfähigkeit. Ein Prozess mit einem Cpk-Wert von 1,33 oder höher produziert statistisch weniger als 63 fehlerhafte Teile pro Million. Durch systematische Parameteroptimierung, Streuungsreduktion und Prozessstandardisierung wird die Qualitätsrate als dritter OEE-Faktor nachhaltig gesteigert.
LEAN Insight
Viele Unternehmen starten mit OEE-Projekten an einzelnen Engpass-Anlagen. Das bringt schnelle Teilerfolge. Doch ohne stabile Prozessfähigkeit (Cpk) im gesamten Produktionssystem bleibt OEE-Optimierung Symptombekämpfung.
Unsere Erfahrung als Consulting Engineers zeigt: Wer zuerst die Prozessfähigkeit über den gesamten Wertstrom analysiert und stabilisiert, hebt anschließend OEE-Potenziale um ein Vielfaches effektiver.
Softwaregestütztes Produktionsmanagement – The LEAN Way
Die methodische Basis ist das Eine. Ein leistungsfähiges Werkzeug, das diese Methoden im Tagesgeschäft operativ abbildet, das Andere. Das modular aufgebaute Softwaresystem der CAQ AG unterstützt Sie in all diesen Bereichen.
Als integratives Element bildet die statistische Prozesskontrolle (SPC) mittels COMPACT.NET das Rückgrat für lückenlose Rückverfolgbarkeit der Prüf- und Prozessdaten, die Erstellung normenkonformer und individueller Stichproben- und Prüfpläne sowie die aktive Benachrichtigung bei Prozess- und Toleranzverletzungen.
Statistische Prozesskontrolle (SPC) im Detail: Die Softwarelösung deckt den gesamten SPC-Zyklus ab: von der Definition der Prüfstrategie über die Erstellung der Prüfplanung und die Definition individueller Stichprobenpläne bis hin zur Festlegung der Prüffrequenz. Prüfpläne lassen sich vor dem produktiven Einsatz testen, bevor die SPC-Überwachung im laufenden Betrieb zum Einsatz kommt.
Prozesslenkung und Kenntnisnahme: Relevante Dokumente werden direkt verknüpft, Prozesse als Workflows gestartet und sämtliche Änderungen lückenlos versioniert und rückverfolgbar gemacht.
Dokumentenmanagement: ISO-konforme Dokumentenlenkung und -steuerung, durchgängige Dokumentenhistorie und Versionsverwaltung, Veröffentlichung in einer browsergestützten Umgebung, Einsehen mitgeltender Dokumente und eine zentrale, modulübergreifende Datenbank ermöglichen den strukturierten Austausch von Dokumenten mit Lieferant:innen und Kund:innen.
Methode und Werkzeug kompetent verbinden
Die reine Anwendung einer neuen Software als Werkzeug im Produktionsmanagement ist das Eine. Das Verständnis der Produktionsmethoden und der Aufbau geeigneter Prozesse, Abläufe und zugehöriger Strukturen das Andere. Die Kombination dieser beiden Themen ist, was ein erfolgreiches Implementierungsprojekt ausmacht.
Neben diesen Faktoren gibt es aber noch weitere, die sich direkt auf den Verlauf vieler Implementierungsprojekte auswirken: fehlende Sicherheit und Know-how im Umgang mit der Software, umfassende Prozessoptimierung parallel zur Implementierung sowie unstrukturiertes Projektmanagement aufgrund fehlender Erfahrung in entsprechenden Projekten.
LEAN MC, als „Preferred Partner“ im Quality Excellence Network der CAQ AG, holt Sie genau hier ab.
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