Funktionale Sicherheit – Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.

Was hinter funktionaler Sicherheit steckt

Laut Normdefinition (IEC 61508) ist die funktionale Sicherheit ein Teil der Gesamtsicherheit, welcher auf der korrekten Funktion sicherheitsbezogener Systeme (E/E/PE) und anderen risikomindernden Maßnahmen basiert. Bezogen wird diese Sicherheit auf das EUC (Equipment under Control) und das EUC-Leit- oder Steuersystem. Am Beispiel einer elektrisch gesteuerten Schneidemaschine ist die Maschine an sich das EUC und die Steuerung (beispielsweise SPS) das EUC-Leit- oder Steuersystem. Unter den sicherheitsbezogenen Systemen können zusätzliche elektrische (E), elektronische (E), und/oder programmierbar elektronische (PE) Sicherheits- bzw. Schutzeinrichtung verstanden werden.

Praxistauglichkeit und steigende Anforderungen

Die Steuerung und Regelung sicherheitskritischer Produkte wird zunehmend komplexer. Mechanische Systeme werden durch elektrische oder mechatronische Einrichtungen ergänzt oder abgelöst. Nebenbei werden die Anforderungen an die zu regelnden Produkte und Prozesse selbst immer vielschichtiger und aufwändiger, was fast nur noch durch Elektronik und Software lösbar ist. Produkte gelten in der Praxis jedoch erst dann als funktional sicher, wenn alle Komponenten des Systems immer so reagieren, dass keine untolerierbaren Schäden an Personen, am Gerät selbst, oder in der Umgebung des Gerätes auftreten. Dies ist besonders bei Ausfall oder Fehlfunktion von Komponenten, äußeren Störungen oder Fehlbedienungen zu gewährleisten.

Die Gefahrenvermeidung und Gewährleistung ausreichender Sicherheit ist jedoch nicht nur ein freiwilliger Akt von Unternehmen. Um ein Produkt auf den Markt bringen zu können, kann die Bestätigung der funktionalen Sicherheit erforderlich sein. Zusätzlich ist die funktionale Sicherheit ein wesentlicher Aspekt bei der Abwendung der Produkthaftung bzw. kann bei fehlendem Nachweis erheblichen Schaden für Unternehmen bringen.

Risikominimierung und Entwicklungsbetrachtung

Aus der Prämisse der funktionalen Sicherheit im Betrieb ergeben sich Anforderungen an Konstruktion, Design und Herstellung. Diese sind bei Freigabe eines Produktes zwingend abzunehmen. Der Fokus hat sich dabei auf die Betrachtung bereits während der Produktentwicklung gelegt und nicht erst auf eine Überprüfung nach Abnahme bzw. Freigabe.

Im Zuge des Risikomanagements wird ebenfalls versucht, Risiken, welche im Betrieb des Produktes auftreten können zu verringern oder zu vermeiden. Je nach Anwendungsbereich ergeben sich Normen und Vorgaben, welche (abhängig von der Branche) verbindlich anzuwenden sind: Weltweit übergeordnet die internationale Norm IEC 61508, DIN EN 61511 (Prozessindustrie), DIN EN 62061/DIN EN ISO 13849 (Maschinenindustrie) oder die ISO 26262 (Automobilindustrie). Zusätzlich können „functional safety assessements“ die Beurteilung der funktionalen Sicherheit aus unabhängiger, dritter Sicht bestätigen. Hier gilt: „Better Safe than sorry“.

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